Weiterbildung während Arbeitslosengeld: Was ist erlaubt?
24. September 2026 · 9 Min. Lesezeit

Wichtigste Erkenntnisse
- Du kannst während des Bezugs von Arbeitslosengeld eine Weiterbildung machen. Ob und wie dein ALG I weitergezahlt wird, hängt unter anderem davon ab, ob die Weiterbildung gefördert wird.
- Bei einer geförderten beruflichen Weiterbildung kann dein Arbeitslosengeld weiterlaufen, solange die Anspruchsvoraussetzungen erfüllt sind.
- Dein ALG-I-Restanspruch wird dabei günstiger angerechnet: Zwei Tage Arbeitslosengeld bei beruflicher Weiterbildung mindern den Anspruch grundsätzlich nur um einen Tag.
- Auch eine nicht geförderte Weiterbildung kann mit ALG I vereinbar sein. Sie muss aber vorher mit der Agentur für Arbeit abgestimmt werden.
- Ein Nebenjob ist möglich, solange du unter 15 Stunden pro Woche bleibst und die geltenden Regeln für Nebeneinkommen beachtest.
- Weiterbildungsgeld und Prüfungsprämien gibt es nicht automatisch bei jeder Weiterbildung.
Du bekommst Arbeitslosengeld und möchtest die Zeit nutzen, um dich beruflich weiterzuentwickeln? Dann stellt sich schnell die Frage: Darfst du überhaupt eine Weiterbildung machen, während du ALG I beziehst?
Grundsätzlich ja. Eine Weiterbildung und Arbeitslosengeld schließen sich nicht aus. Entscheidend ist aber, welche Art von Weiterbildung du machst, ob sie von der Agentur für Arbeit gefördert wird und welche Voraussetzungen in deinem konkreten Fall gelten.
Besonders interessant kann eine Weiterbildung sein, wenn dir für deinen nächsten Job bestimmte Kenntnisse fehlen oder du dich beruflich neu orientieren möchtest. Unter bestimmten Voraussetzungen kann die Agentur für Arbeit die Weiterbildung fördern und dein Arbeitslosengeld während dieser Zeit weiterzahlen.
Bekommst du während einer Weiterbildung weiter Arbeitslosengeld?

Bei einer geförderten beruflichen Weiterbildung kann dein ALG I grundsätzlich weitergezahlt werden. Die Bundesagentur für Arbeit erklärt im Merkblatt 6 zur Förderung der beruflichen Weiterbildung, dass Arbeitslosengeld während einer geförderten Weiterbildung gezahlt wird, solange die entsprechenden Anspruchsvoraussetzungen vorliegen.
Dabei handelt es sich nicht um eine zusätzliche Leistung neben deinem bisherigen Arbeitslosengeld. Dein bestehender ALG-I-Anspruch läuft vielmehr unter besonderen Regeln weiter.
Eine Weiterbildung wird allerdings nicht automatisch gefördert, nur weil du arbeitslos bist. Nach § 81 SGB III kann eine berufliche Weiterbildung unter anderem gefördert werden, wenn sie notwendig ist, um dich beruflich einzugliedern oder eine drohende Arbeitslosigkeit abzuwenden, du vorher beraten wurdest und sowohl Träger als auch Maßnahme für die Förderung zugelassen sind.
Wann kann die Agentur für Arbeit deine Weiterbildung fördern?
Im Beratungsgespräch schaut die Agentur für Arbeit auf deine individuelle Situation. Dazu können beispielsweise dein bisheriger beruflicher Werdegang, vorhandene Kenntnisse, deine Eignung und die Arbeitsmarktchancen nach der Weiterbildung gehören. Ziel ist, dass die Qualifizierung deine Chancen auf eine dauerhafte Beschäftigung verbessert.
Sind die Voraussetzungen erfüllt, kann dir ein Bildungsgutschein ausgestellt werden. Damit wird die Übernahme der Weiterbildungskosten und gegebenenfalls die Weiterzahlung des Arbeitslosengeldes zugesichert. Der Gutschein enthält ein bestimmtes Bildungsziel und kann zeitlich oder regional begrenzt sein.
Auch wenn du eine Online-Weiterbildung machen möchtest, solltest du deshalb nicht nur auf das Lernformat schauen. Entscheidend für eine Förderung ist unter anderem, dass der gewählte Bildungsträger und die konkrete Maßnahme die erforderliche Zulassung besitzen und zum Bildungsziel deines Gutscheins passen.
Was passiert mit deinem ALG-I-Anspruch während der Weiterbildung?
Eine geförderte Weiterbildung hat einen wichtigen Vorteil: Dein verbleibender ALG-I-Anspruch wird währenddessen nicht im normalen Verhältnis von einem Tag zu einem Tag reduziert. Nach § 148 SGB III vermindert sich dein Anspruch grundsätzlich um einen Tag für jeweils zwei Tage, an denen du Arbeitslosengeld bei beruflicher Weiterbildung erhältst.
- 30 Tage ALG-Bezug während der Weiterbildung → Minderung des Restanspruchs um rund 15 Tage
- 60 Tage ALG-Bezug während der Weiterbildung → Minderung des Restanspruchs um rund 30 Tage
- 120 Tage ALG-Bezug während der Weiterbildung → Minderung des Restanspruchs um rund 60 Tage
Wenn du also beispielsweise vier Monate ALG während einer geförderten Weiterbildung bekommst, reduziert sich dein Restanspruch grundsätzlich nur um ungefähr zwei Monate. Auch die Bundesagentur für Arbeit erläutert dieses 2:1-Prinzip in ihrem Weiterbildungsmerkblatt.
Schutzregelung bei knappem Restanspruch: Die 2:1-Minderung wird grundsätzlich nicht weiter vorgenommen, wenn dein ALG-I-Anspruch dadurch unter drei Monate beziehungsweise 90 Tage sinken würde. Beträgt dein Restanspruch bereits zu Beginn der Weiterbildung höchstens 90 Tage, findet diese weitere Minderung grundsätzlich nicht statt. Hattest du zu Beginn weniger als 90 Tage Restanspruch und wurdest mindestens sechs zusammenhängende Monate wegen einer beruflichen Weiterbildung gefördert, kann der Anspruch einmalig auf 90 Tage erhöht werden.
Deshalb ist die Aussage, eine Weiterbildung würde dein Arbeitslosengeld einfach „verlängern", zu pauschal. Wie viel Anspruch dir tatsächlich bleibt, hängt von deiner Ausgangssituation und der Dauer der geförderten Weiterbildung ab.
Kannst du auch eine nicht geförderte Weiterbildung machen?
Ja. Auch eine Weiterbildung, die nicht über § 81 SGB III gefördert wird, kann grundsätzlich mit ALG I vereinbar sein. Hier wird allerdings deine Verfügbarkeit für den Arbeitsmarkt besonders wichtig. Nach § 139 Abs. 3 SGB III schließt die Teilnahme an einer solchen beruflichen Weiterbildung die Verfügbarkeit nicht aus, wenn:
- die Agentur für Arbeit deiner Teilnahme zustimmt,
- du bereit bist, die Weiterbildung abzubrechen, sobald eine berufliche Eingliederung möglich wird, und
- du mit dem Bildungsträger vereinbart hast, dass dieser Abbruch möglich ist.
Melde eine nicht geförderte Weiterbildung deshalb vor Beginn bei deiner Agentur für Arbeit. Einfach einen Kurs zu starten und davon auszugehen, dass dein Arbeitslosengeld unverändert weiterläuft, kann zu Problemen führen. Wichtig ist außerdem: Die Zustimmung zur Teilnahme bedeutet nicht automatisch, dass die Agentur für Arbeit auch die Kurskosten übernimmt.
Wer bezahlt eine geförderte Weiterbildung?
Bei einer bewilligten Förderung können unterschiedliche Weiterbildungskosten übernommen werden – dazu gehören laut Bundesagentur für Arbeit beispielsweise Lehrgangsgebühren, erforderliche Lernmittel und Prüfungsgebühren sowie unter bestimmten Voraussetzungen Fahrt-, Kinderbetreuungs-, Unterkunfts- und Verpflegungskosten.
Du musst die bewilligten Lehrgangskosten auch nicht grundsätzlich erst selbst bezahlen und anschließend darauf hoffen, sie zurückzubekommen. Nach dem BA-Merkblatt werden Lehrgangskosten im Regelfall direkt an den Bildungsträger ausgezahlt. Andere Weiterbildungskosten können je nach Leistung an dich ausgezahlt werden.
Darfst du während der Weiterbildung nebenbei arbeiten?

Ein Nebenjob ist grundsätzlich möglich. Dabei gelten aber dieselben wichtigen Grenzen, die auch sonst beim ALG-I-Bezug zu beachten sind. Die Bundesagentur für Arbeit erklärt zum Nebenjob bei Arbeitslosengeld, dass du die Nebentätigkeit vorab melden und weniger als 15 Stunden pro Kalenderwoche arbeiten musst. Ab 15 Stunden wöchentlich giltst du grundsätzlich nicht mehr als arbeitslos.
Beim normalen Nebenverdienst gilt grundsätzlich ein monatlicher Freibetrag von 165 Euro. Einkommen oberhalb des anrechnungsfreien Betrags kann dein Arbeitslosengeld reduzieren. Unter bestimmten Voraussetzungen kann ein höherer individueller Freibetrag gelten. Deshalb ist es nicht sinnvoll, sich an einer allgemeinen Minijob-Grenze zu orientieren – für ALG I gelten eigene Regeln zu Arbeitszeit und Einkommensanrechnung.
Bekommst du zusätzlich 150 Euro Weiterbildungsgeld?
Nicht bei jeder Weiterbildung. Das monatliche Weiterbildungsgeld von 150 Euro ist an bestimmte geförderte, abschlussorientierte Weiterbildungen gekoppelt. Dazu zählen beispielsweise Weiterbildungen, die zu einem Abschluss in einem Ausbildungsberuf mit einer regulären Ausbildungsdauer von mindestens zwei Jahren führen.
Unter den gesetzlichen Voraussetzungen können außerdem Prüfungsprämien gezahlt werden: 1.000 Euro nach erfolgreicher entsprechender Zwischenprüfung oder dem ersten Teil einer gestreckten Abschlussprüfung, und 1.500 Euro nach erfolgreicher Abschlussprüfung. Nur weil eine Weiterbildung gefördert wird, bekommst du also nicht automatisch zusätzlich 150 Euro pro Monat oder eine Prüfungsprämie.
Was passiert, wenn du die Weiterbildung abbrichst?
Wenn du merkst, dass eine Weiterbildung nicht funktioniert, solltest du nicht einfach aufhören und anschließend die Agentur für Arbeit informieren. Bei einer von der Agentur für Arbeit relevanten Weiterbildungs- oder Eingliederungsmaßnahme kann eine Ablehnung oder ein Abbruch ohne wichtigen Grund und nach entsprechender Rechtsfolgenbelehrung eine Sperrzeit auslösen. § 159 SGB III sieht für diese Kategorie grundsätzlich drei Wochen beim ersten entsprechenden versicherungswidrigen Verhalten, sechs Wochen beim zweiten und zwölf Wochen bei weiteren Fällen vor.
Das heißt nicht, dass jeder Abbruch automatisch zu einer Sperrzeit führt. Ein wichtiger Grund kann eine Rolle spielen, und die konkrete Situation muss geprüft werden. Sprich deshalb möglichst vor einem Abbruch mit deiner Agentur für Arbeit und dem Bildungsträger.
Was gilt bei Krankheit oder wenn du einen Job findest?
Auch während einer geförderten Weiterbildung bestehen Mitwirkungs- und Meldepflichten. Eine Arbeitsunfähigkeit musst du der zuständigen Stelle melden. Ebenso solltest du Änderungen mitteilen, die deinen Leistungsanspruch beeinflussen können – beispielsweise eine neue Beschäftigung, eine Unterbrechung der Weiterbildung oder andere relevante Veränderungen.
Findest du während deiner Weiterbildung einen Job, ist das grundsätzlich erst einmal positiv. Wie es mit deiner Weiterbildung weitergeht, solltest du jedoch mit der Agentur für Arbeit und deinem Bildungsträger abstimmen, anstatt die Maßnahme einfach selbstständig zu beenden.
Was gilt, wenn du Bürgergeld statt ALG I bekommst?
ALG I und Bürgergeld sind nicht dasselbe. Die oben erklärte 2:1-Regel für den ALG-I-Restanspruch betrifft Arbeitslosengeld nach dem SGB III und lässt sich nicht einfach auf Bürgergeld übertragen.
Seit 1. Januar 2025 gibt es außerdem eine wichtige Änderung bei der Weiterbildungsförderung von Menschen im SGB-II-Bezug: Das Jobcenter kann den Weiterbildungsbedarf feststellen und eine Vorklärung vornehmen, während anschließend die Agentur für Arbeit in die Weiterbildungsberatung einbezogen wird und die Fördervoraussetzungen abschließend prüft. Ältere Ratgeber, die pauschal davon sprechen, dass das Jobcenter selbst sämtliche Entscheidungen über den Bildungsgutschein trifft, können deshalb inzwischen veraltet sein.
Spielt dein Alter bei einer Weiterbildung eine Rolle?
Für die allgemeine Förderung einer beruflichen Weiterbildung nach § 81 SGB III gibt es keine pauschale Altersgrenze, ab der eine Weiterbildung automatisch ausgeschlossen wäre. Die gesetzlichen Voraussetzungen beziehen sich vielmehr unter anderem auf die Notwendigkeit der Weiterbildung, Beratung sowie die Zulassung von Maßnahme und Träger. Wie sinnvoll und förderfähig eine konkrete Weiterbildung ist, wird deshalb individuell geprüft.
Welche Weiterbildung passt zu dir?
Eine mögliche Förderung ist wichtig, sie sollte aber nicht das einzige Kriterium für deine Entscheidung sein. Entscheidend ist vor allem, welche Kenntnisse du für dein berufliches Ziel benötigst und welche Weiterbildung zu deiner Lebenssituation passt.
Bei HalloSkills findest du kaufmännische Online-Weiterbildungen mit Inhalten klassischer Umschulungen, die kompakt und vollständig online vermittelt werden. Die HalloSkills-Lehrgänge sind dabei keine klassischen IHK-Umschulungen: Du schließt deinen Lehrgang mit einem HalloSkills-Zertifikat statt einer IHK-Prüfung ab. HalloSkills befindet sich aktuell im AZAV-Zertifizierungsprozess. Eine Förderung unserer Lehrgänge über den Bildungsgutschein ist erst möglich, sobald die dafür erforderlichen AZAV-Zulassungen für Träger und Maßnahme vorliegen.
Fazit
Eine Weiterbildung während des Bezugs von Arbeitslosengeld ist grundsätzlich möglich. Besonders klar ist die Situation bei einer geförderten beruflichen Weiterbildung: Dein ALG I kann weitergezahlt werden und dein Restanspruch wird grundsätzlich im Verhältnis 2:1 reduziert.
Doch auch eine nicht geförderte Weiterbildung muss ALG I nicht automatisch ausschließen. Hier kommt es insbesondere darauf an, dass die Agentur für Arbeit vorher zustimmt und deine Verfügbarkeit für eine berufliche Eingliederung erhalten bleibt.
Wichtig ist deshalb vor allem: Kläre deine Weiterbildung vor dem Start mit der Agentur für Arbeit. So weißt du, ob eine Förderung möglich ist, welche Kosten übernommen werden können und welche Regeln während deiner Weiterbildung gelten.
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